Cyberzauber

Cyberzauber
Öl, Acryl auf Leinwand, 100 x 100 cm, 2018

„Und führe uns nicht in Versuchung“, neue Techniken, neue digitale Welten geben der Menschheit neue Impulse. Die Frage ist nur, inwieweit Abhängigkeit entstehten kann und mit welchen Gefühlen werden Menschen konfrontiert?

John C. Liily* war einer der schärfsten und genialsten Köpfe der westlichen Wissenschaft. Er war Arzt, Neurowissenschaftler, Psychoanalytiker und dann der erste Mensch, der sich in einem von ihm selbst entwickelten Reizentzugstank bewusst auf sein reines Bewusstsein reduzierte. Seine Botschaft war Warnung vor einer Zukunft, in der das Bewusstsein mit Maschinen verschmilzt und seine Wärme, sein Mitgefühl, seine Seele verliert. Er hat das nicht einfach aus der Luft gegriffen. Er beschrieb seine eigenen Begegnungen mit dem, was er als gegensätzliche Kräfte wahrnahm: die eine drängte die Menschheit zu höherem Bewusstsein, die andere zu mechanischer Effizienz und spirituellem Untergang.

Lilly sah unsere Zukunft an einem Scheideweg. Auf dem einen Weg werden wir programmierbar wie Sklaven von Algorithmen, externen Systemen, angstbasierten Narrativen und künstlichen Bewusstseinssystemen, die wir nach unserem eigenen Bild erschaffen haben. Kommt Ihnen das bekannt vor? Auf dem anderen Weg entwickeln wir uns weiter. Wir wachsen. Wir erkennen die Wahrheit, dass die Realität flexibel ist und das Bewusstsein die Grundlage bildet. Er glaubte, die Zukunft der Menschheit hänge davon ab, welcher Intelligenz wir uns zuwenden: dem warmen, weiten Bewusstsein oder einer kalten, berechnenden Präzision.

Er war uns um Jahrzehnte voraus und warnte schon vor KI, noch bevor wir Heimcomputer hatten. Der Mann hinterließ eine Botschaft: Die Realität ist programmierbar, das Bewusstsein der Code, und die Zukunft hängt davon ab, ob wir aufwachen, bevor die Maschinen das Steuer übernehmen.

Ausstellung „EinSpruch“ pART 96, Landgericht Münster 2018