Ein neues Bild von dir

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Ein neues Bild von dir
Öl, Acryl auf Leinwand, 70 x 90 cm, 2021

Das Bild wurde 2021 für die Ausstellung 50 Jahre Städtpartnerschaft Lublin-Münster gemalt. Die Darstellung zeigt zwei moderne Frauen, die sich gegenseitig malen.

Symbolische Darstellungen eines Landes als Frau hat eine lange Tradition. Erste Zeugnisse dieser Darstellungen sind vermutlich die Standbilder der Pallas Athene vermutlich. Die Attribute der Athener Schutzpatronin gingen in der römischen Antike gingen auf die römischen Göttinnen Minerva über.

Die Frau links soll die Mutter Germania darstellen. Diese Figur ging aus der Thusnelda, die Ehefrau des Arminius, hervor. Sie wurde von den Römern gefangen genommen und im Triumphzug öffentlich vorgeführt. Es gibt zwar keine Beweise jedoch wird seit Jahrhunderten die trauernde Barbarin als Darstellung der historischen Persönlichkeit Thusneldas angesehen, da ihre Kleidung der Beschreibung germanischer Frauen entsprach. Römische Münzen zeigen eine Germania in entwürdigender Pose, mit entblößtem Oberkörper, trauernd auf ihrem Schild sitzend und mit zerbrochenem Speer. Die Germania zeigt sich in den Darstellungen auf Münzen des Kaisers Hadrian in der Art einer Minerva. Sie steht aufrecht mit Schild und Speer, nur mit der Inschrift „GERMANIA“. Es gibt verschiedene Darstellungen, auch die mit einer entblößten Brust, nicht als Zeichen der Demütigung, sondern als Attribut.

Als Modell diente eine Abbildung der Schauspielerin Jeanne Goursaud, die in der Filmserie „Die Barbaren“ die Figur der Thusnelda spielte.

Die Frau rechts soll die Mutter Polonia darstellen. „Gaude Mater, Polonia“ (lateinisch Freue dich, Mutter Polen) aus dem 13. Jhdt. – in diesem Loblied erscheint die Polonia zum ersten Mal als Person.

Nach dem Konzil von Trient kam es zu einer beständig wachsenden Marienverehrung. Im 17. Jhdt. findet sich in der engen Verbindung zwischen der Gottesmutter Maria und der Polonia die Aufteilung der Zuständigkeit für das Jenseitige und Diesseitige der Welt wieder. Der Sieg gegen die schwedische Übermacht in in Tschenstochau wurde als Wunder der schwarzen Madonna gedeutet. Der polnische König erklärte die Muttergottes zur Regina Polonia.

Der Nationaldichter Adam Mickiewicz nahm 1830 den Gedanken von der Mutter Vaterland in seinem Klagegedicht „Do matki Polki“ (übersetzt An die Mutter Polin) wieder auf. Es stand damit im direkten Gegensatz zum „Gaude Mater, Polonia“. Dort heißt es: „Gaude, mater Polonia, / prole fecunda nobili“ (lateinisch Freue dich, Mutter Polen / fruchtbar an edlen Nachkommen), doch in diesem Text erwartet den Sohn der polnischen Mutter Gefängnis, Zwangsarbeit und der Tod am Galgen. Der einstige Lobgesang wandelt sich in eine schwermütige Elegie, die jedoch mit der Mutterschaft Mariens die Verbindung zur polnischen Mutter herstellt und Trost und Zuversicht spenden soll. Der Maler Jan Matejko zeigte eine gedemütigte und in Fesseln gelegte Polonia als Sinnbild für den Verlust der Eigenstaatlichkeit und die Unterdrückung der polnischen Nation durch die Besatzungsmächte Russland, Österreich und Preußen. Fortan wurde die Polen-Allegorie durchweg in Kontexten von Tod, Gewalt, Demütigung und Gefangenschaft dargestellt.

Dieses Bild soll zum Nachdenken darüber anregen, dass gerade wegen der dunklen Historie zwischen beiden Ländern eine neues gegenseitiges Bild voneinander entstehen soll.

Ausstellung „Kulturbogen – Pomost kultury“, 50 Jahre Städtepartnerschaft Münster-Lublin,
pART 96 in Lublin, Polen, und in der Überwasserkirche 2021 wegen Corona nur als Banner